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Thanatopraxie

Was ist Thanatopraxie? Sie umfasst die hygienische Versorgung, Einbalsamierung und Rekonstruktion Verstorbener für eine würdevolle Abschiednahme oder Überführung.

Kurz erklärt

  • Definition: Die Thanatopraxie (griech. thanatos = Tod) umfasst alle Tätigkeiten zur hygienischen, ästhetischen und konservierenden Versorgung eines Verstorbenen, oft auch als „Modern Embalming“ oder Einbalsamierung bezeichnet.
  • Funktion: Durch den Austausch von Körperflüssigkeiten gegen konservierende Substanzen wird der Verwesungsprozess kurzzeitig gestoppt, und durch rekonstruktive Maßnahmen wird das natürliche Erscheinungsbild wiederhergestellt.
  • Relevanz: Diese Behandlung ermöglicht eine hygienisch unbedenkliche, offene Aufbahrung über mehrere Tage oder ist zwingend erforderlich für Überführungen ins Ausland.
  • Hamburg: In der Hansestadt führen spezialisierte Thanatopraktiker diese Versorgung oft in Kooperation mit Instituten wie dem GBI oder direkt in den Funktionsräumen großer Friedhöfe wie Ohlsdorf durch.

Die Thanatopraxie geht deutlich über die normale hygienische Grundversorgung hinaus. Sie ist besonders dann ratsam, wenn Angehörige eine intensive Abschiednahme am offenen Sarg wünschen oder wenn der Verstorbene durch einen Unfall gezeichnet ist. Auch für bestimmte Trauerrituale, die eine längere Präsenz des Verstorbenen erfordern, schafft sie die notwendigen Voraussetzungen.

Hintergründe und Ablauf

Wann ist eine thanatopraktische Behandlung sinnvoll?

Nicht bei jedem Sterbefall ist eine umfassende Thanatopraxie notwendig. In vielen Fällen reicht die hygienische Grundversorgung durch den Bestatter aus. Es gibt jedoch Situationen, in denen das „Modern Embalming“ eine wichtige Rolle spielt. Dazu gehört vor allem der Wunsch nach einer offenen Aufbahrung über einen längeren Zeitraum, etwa wenn Angehörige von weit her anreisen müssen. Durch die Konservierung bleibt der Körper optisch und hygienisch stabil.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rekonstruktion nach schweren Unfällen oder bei sichtbaren Krankheitsfolgen. Hierbei stellt der Thanatopraktiker das ästhetische Erscheinungsbild wieder her, um den Hinterbliebenen einen friedvollen letzten Anblick zu ermöglichen, was für die Trauerbewältigung entscheidend sein kann.

Überführungen ins Ausland

Bei einer Überführung des Verstorbenen in das Ausland gelten strenge internationale Vorschriften, wie etwa die DIN EN 15017 oder länderspezifische Einreisebestimmungen. Viele Länder und Fluggesellschaften schreiben eine Einbalsamierung zwingend vor, um den Transport hygienisch abzusichern. In Hamburg, mit seinem internationalen Flughafen und Hafen, ist dies ein häufiger Grund für thanatopraktische Maßnahmen. Hierbei wird oft auch ein amtsärztliches Attest benötigt, das die ordnungsgemäße Versorgung bestätigt.

Ablauf der Versorgung

Die Behandlung dauert in der Regel zwei bis vier Stunden. Dabei wird über das Arteriensystem eine konservierende Flüssigkeit (meist auf Formalinbasis) in den Körper eingebracht, während das Blut abgeleitet wird. Dies sorgt für eine natürliche Hautfarbe und desinfiziert den Körper von innen. Zusätzlich erfolgt eine kosmetische Behandlung und das Ankleiden. Das Verfahren findet in speziellen Versorgungsräumen statt, die hohe hygienische Standards erfüllen müssen.

Besonderheiten in Hamburg

In Hamburg arbeiten Bestattungsinstitute oft eng mit qualifizierten Thanatopraktikern zusammen. Große Einrichtungen wie der Friedhof Ohlsdorf oder der Friedhof Öjendorf verfügen über entsprechende Räumlichkeiten, die für solche Versorgungen genutzt werden können. Auch Institute wie das GBI oder Erwin Jürs bieten diese Dienstleistungen an oder koordinieren sie. Die Kosten für eine Thanatopraxie variieren je nach Aufwand der Rekonstruktion und den spezifischen Anforderungen des Einzelfalls.

Häufige Fragen zur Thanatopraxie

Ist eine Thanatopraxie gesetzlich vorgeschrieben? +

Nein, für eine normale Bestattung in Deutschland ist sie nicht vorgeschrieben. Pflicht ist sie meist nur bei Überführungen in bestimmte Auslandsländer oder bei speziellen infektiösen Erkrankungen gemäß Infektionsschutzgesetz.

Wie lange hält die Konservierung an? +

Das „Modern Embalming“ ist für eine zeitlich begrenzte Erhaltung konzipiert, meist für den Zeitraum bis zur Beisetzung (ca. 1 bis 2 Wochen). Es verhindert nicht die spätere natürliche Verwesung in der Erde.

Kann man den Verstorbenen nach der Behandlung berühren? +

Ja, das ist problemlos möglich und oft sogar erwünscht. Durch die Desinfektion und Konservierung besteht keine erhöhte Infektionsgefahr, und der Körper fühlt sich weniger kalt an als ohne Behandlung.

Was ist der Unterschied zur hygienischen Grundversorgung? +

Die Grundversorgung umfasst Waschen, Ankleiden und Schließen der Augen/Mund. Die Thanatopraxie ist ein invasiver Eingriff zum Austausch von Körperflüssigkeiten und zur optischen Wiederherstellung.

Wird Thanatopraxie auch bei Feuerbestattungen durchgeführt? +

Das ist möglich, etwa wenn vor der Einäscherung eine offene Aufbahrung gewünscht wird. Für die Einäscherung selbst ist sie technisch nicht notwendig.

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